Da muss ich wohl durch…

(wie Ihr alle).

Die beste Freundin am Telefon. Wir haben uns lange nicht gesprochen. Das letzte Mal, bevor ich vegan wurde.
Tausend Fragen. Ich habe so gut es ging geantwortet. Habe noch keine Übung, mir keine Formulierungen zurecht gelegt… ich bin halt ein Frischling.
Es ging aber über das Übliche: „Dann kannst Du doch wenigstens ein Ei vom Nachbarn essen.“ – „Oder Käse von einem kleinen Biohof…“. Uff. Was antwortet man da?
Und dann die Aussage, die wir alle so lieben und auf die ich so lange schon gewartet habe:

„DANN KANNST DU JA KAUM NOCH WAS ESSEN!!!“

Jetzt erfahre ich am eigenen Leib, was es bedeutet, vegan zu sein.
Man muss sich auch noch erklären.
Wieso werde ich eigentlich das Gefühl nicht los, dass genau die Menschen, die die meisten Gegenargumente versuchen herbeizuziehen, selbst das schlechteste Gewissen haben?
Es fühlt sich für mich einfach nur so an.

Ich meine, ich muss nichts erklären. Ich möchte nichts tierisches zu mir nehmen. Punkt.
So einfach ist das. Was soll ich da groß erklären??

Ich stelle ja auch einem Fleischesser keine Fragen: „Wann isst Du denn mal was Gesundes?“ oder „Hast Du das Tier auch selbst getötet?“ oder „Fährst Du mal mit mir zu einem Hühnerstall und guckst Dir die geschredderten Küken an? Oder die eingesperrten Hennen (ja, auch Biohennen können in Massentierhaltungskäfigen vor sich hinvegetieren)?“

Obwohl ich es manchmal sooo gerne würde.

Wie die Leute sich in die eigene Tasche lügen! Ich hasse es.

Meine Meinung ist und bleibt: „Wenn Du das Tier, das Du essen willst, selbst töten kannst, ihm dabei in die Augen sehen… dann bist Du wohl ein Jäger, dann mach es doch.“
Dann, nur dann, und wenn das Tier nicht zuvor gequält wurde, dann kann ich es halbwegs akzeptieren, dass jemand Fleisch ist.

Ich möchte schreien, bei solche Argumentationen. Das Gegenüber anbrüllen: „Nicht ICH muss mich erklären! DU solltest DIR selbst mal erklären, was DU da tust!“

Mache ich aber natürlich nicht. Ich finde, dass jeder tun und lassen soll, was er für richtig hält.

Aber ich höre so viele Menschen lügen. Ohne dass es ihnen bewusst ist. Es ist unglaublich.
Und neuerdings bilde ich mir sogar ein, anderen ansehen zu können, was sie essen.
Heute habe ich zum Beispiel einer Person gegenüber gestanden, die selbst fast aussieht wie ein Schwein.
Ich konnte mich kaum beherrschen, ich hätte fast gefragt, was in ihrer Familie so am meisten gegessen wird… (Habe nicht gefragt, ich kann es mir denken.).

Uff.
Das Gespräch war erschöpfend für mich. Ich habe versucht, mich zu verteidigen. So ein Blödsinn.
Dafür gibt es überhaupt keinen Grund!!!
Ach Mensch! Wie macht Ihr das denn?
Habt Ihr noch ein paar gute Ratschläge für solche Argumentationen?
Hilfe!

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16 Gedanken zu „Da muss ich wohl durch…

  1. Das wird alles besser 🙂 Du wirst mehr lesen, bekommst mehr Routine, sie werden sehen, was du alles wunderbares essen kannst usw. Ist zumindest meine Erfahrung. Die Argumente sind meistens immer die selben und genau deswegen auch nicht schwer zu widerlegen. Kennst du den Leitfaden vom vebu? http://www.vebu.de/einstieg/leitfaden-fuer-diskussionen ist ganz praktisch^^

    wird alles schon! wirklich, ich fand vielleicht die ersten 2 – 3 Monate anstrengend, danach wird alles ganz normal (abgesehen davon, dass dir immer hin und wieder mal Leute doofe Kommentare reindrücken 😉 )

    • Hey Du! 🙂 Danke für die Rückmeldung.
      Nein, den Leitfaden kannte ich nicht! Vielen Dank! Werde ich mir in Ruhe reinziehen.
      Sowas ist super… denn ich habe auch das Gefühl, die Fleischesser stellen sowieso immer die gleichen Fragen. Wenn man sich darauf ein bisschen vorbereitet, ist es irgendwann easy. Weil man mit einfachen Argumenten kontern kann.
      Und dann hören sie auf zu fragen und leben weiter ihr verlogenes Leben. 😉
      Naja, und ich brauche ein paar supergute Rezepte, die ich machen kann, wenn ich mal mit veganen Gerichten punkten will. 😉 Da muss ich erstmal sammeln… habe leider im Moment so viel zu tun, dass ich weder ausgiebig zum Kochen komme noch Zeit habe, Leute zum Essen einzuladen. Aber das wird kommen. 🙂
      Besonders für diese (wirklich eine meiner zwei besten Freundinnen) Freundin werde ich das sehr gerne machen. Vielleicht denkt sie ja wenigstens ein bisschen um und kauft nicht mehr das Fleisch aus dem Supermarktregal. Fand ich schon immer furchtbar.

      • Dann sag deiner besten Freundin doch einfach, dass es deine Entscheidung ist, aufhören soll, zu fragen und „weiter ihr verlogenes Leben“ leben soll.
        Mein Gott, ich glaube es nicht. -.-

      • Ach, es war ja nicht böse gemeint. Ich war bestimmt früher selber so. Habe mir ja auch lange vorgemacht, als Vegetarierin würde ich schon alles toll machen und habe die Augen verschlossen vor dem Tierleid bei Eiern und Milch. Sie hat einfach nicht nachgedacht. Vielleicht wird sie jetzt beobachten, wie gut ich lebe… und vielleicht übezeugt es sie ja… zumindest in Teilen. Das wäre ja schön.

  2. Und wenn nicht, dann kannst du es auch nicht ändern. Und das musst du dann wohl oder übel akzeptieren. Ich finde, jeder Mensch sollte entscheiden, ob er sich vegan, vegetarisch, oder normal ernährt. Ich muss mich z.B. vegan ernähren, da ich auf Fleisch-Eiweiße allergisch reagiere und weiterhin noch eine Laktoseintoleranz und eine Unverträglichkeit gegenüber Steinobst und Nüsse habe. Wie du siehst, bleibt da leider nicht viel über. 😦
    Tierleid hin oder her, aber ich habe mir schon so oft gewünscht, ein Rührei mit frischen Kräutern oder ein Glas Kuhmilch zu trinken. Aber die Wahl habe ich nicht.

    • Sage ich ja: Jeder muss das für sich selbst entscheiden. Ganz genau. Ich werde trotzdem nicht aufhören, Infos zu verbreiten. Muss mich mal beherrschen, dass ich nicht „belehrend“ rüberkomme… auf Facebook und so. Deshalb habe ich dieses Blog hier gemacht, weil mich hier Gleichgesinnte lesen und nicht (hauptsächlich) Fleischfresser, die sich dann auf den Schlips getreten fühlen.

      • Finde, dass das echt eine gute Idee ist mit dem Blog. 🙂 Ich kram auch gleich mal ein wenig in meinem Rezeptkästchen herum, da werden auf jeden Fall ein paar tolle Sachen dabei sein, die ich nur weiterempfehlen kann!

  3. Solange ich mir nicht „belehrt“ und/oder „bevormundet“ vorkomme, fühle ich mich auch nicht auf den Schlips getreten. Jedem das Seine. 🙂
    Und ein paar der Rezepte werde ich sicher mal ausprobieren. Mal sehen, bin da ziemlich offen.
    LG von einer (Noch?-)Fleischfresserin 🙂

    • Julia, ich kann Dir wirklich das Buch „Peace Food“ ans Herz legen, wenn Du überlegst aber noch zweifelst. Gibt es bestimmt auch in der Stadtbibliothek. 🙂

  4. Ich sag bei sowas immer „Ich kann immer noch alles essen, ich will es nur nicht.“ Tatsächlich haben solche Sprüche sehr schnell aufgehört, als ich für meine Freunde mal gekocht ode rgebacken hab, mittlerweile kommen alle immer sehr gerne zum essen vorbei und niemanden fehlt was tierisches 😉 wenns doch mal zu ner disskusion kommt, erkläre ich meinen standpunkt ohne die fragenden anzugreifen, betone immer, dass das meine eigene entscheidung ist so zu leben etc.

  5. Also, ich finde eigentlich nicht, dass sich da irgendwer erklären sollen muss. Ich frage keinen Veganer, wovon er sich ernährt, weil ich das weiß, und weil er das bestimmt noch viel besser weiß als ich. Aber ich will mir nicht (wie gestern wieder geschehen), vorwerfen lassen, dass ich entweder blöde oder herzlos bin, weil ich Fleisch esse. Ich esse Fleisch, und ich stehe dazu – auch ohne rational nachvollziehbare Gründe zu haben.

    Immer diese Missionare… Von beiden Seiten.

    • Ja, sag ich ja: Jeder so wie er es für richtig hält. Hat bei mir ja auch sehr lange gedauert, bis ich kapiert habe, dass ich den für mich falschen Weg gehe… und jetzt fühle ich mich priiiiima! 🙂

  6. Muss mich auch mal ausheulen… Eigentlich geht es mir seitdem ich mich für die vegane Lebensweise entschieden habe so gut, wie noch nie, aber die ganzen Diskussionen mit anderen, die null informiert sind und doch alles besser wissen sind schon frustrierend!!! Vor allem mit Menschen, die einem was Wert sind, wie du schon schreibst, eine gute Freundin, die Familie… Eigentlich bräuchte ich im Moment eher jemanden dem ich meine neuen Erfahrungen erzählen kann. Man erfährt immer mehr schreckliche Sachen und fragt sich, wie alle anderen die Augen davor verschließen können!!! Ändern kann man es wohl nicht so schnell und ich freue mich jetzt halt über kleine Schritte, z. B. wenn sich jemand, dem ich davon erzählt habe weiter Gedanken macht und über die eigene Ernährung nachdenkt, aber irgendwie ist das mir noch nicht genug. Ich glaube ich muss mich noch irgendwo engagieren, in einer veganen Gruppe oder so. Ich will einfach was verändern…

    • Hmm. Oje. Ja, ich glaube, den Frust erlebt jeder von uns mal. Und deshalb gibt es auch so viele „militante“ Veganer. Ich habe mir eigentlich vorgenommen, so nicht zu sein, denn bei mir sind solche Leute früher auch nicht gelandet.
      Besser finde ich es, freundlich zu bleiben, zu erzählen, warum man das macht und den Leuten leckere vegane Sachen zu essen anzubieten.
      Habe ich heute gerade gemacht. Eine liebe Freundin war zu besuch mit ihren zwei Babies. Ich habe ihr was schönes gekocht und auch Frühstück und Abendessen fand sie lecker (sie war den ganzen Tag hier).
      Irgendwann meinte sie, sie müsse sich damit auch mal beschäftigt.
      Ich empfehle im Moment immer allen das Buch „Peace Food“ von Rüdiger Dahlke, weil mich das auch überzeugt hat. (Dabei habe ich noch nichtmal die Hälfte durch!)
      Sie will sich das kaufen. Bin gespannt.
      Es ging auch um das Thema „Milch“ vor den gesundheitlichen Hintergrund, da sie ja auch über die Ernährung ihrer Kinder nachdenken muss. Finde ich super, dass sie sich jetzt damit beschäftigt. Sie ist nämlich eine 200%ige Fleischesserin.

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